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Online Musik Magazin zum Ballettabend

Star ist das Ensemble ... Erneut liefert das Ballett Hagen einen Beweis dafür, dass diese Sparte in dieser Stadt unbedingt erhalten bleiben muss.

Shortcuts

Ballettabend in drei Teilen von Nils Christe und Ricardo Fernando

1. Präludium zu einem Requiem (Uraufführung)
    Musik von Henryk Mikolaj Górecki; Choreographie: Ricardo Fernando
2. Kleines Requiem
    Musik von Henryk Mikolaj Górecki; Choreographie: Nils Christe
3. Drumming and Voices (Uraufführung)
    Musik von Philip Glass, Uakti und Gjallarhorn; Choreographie: Ricardo Fernando

Aufführungsdauer: ca. 2h  (zwei Pausen)

Premiere im Theater Hagen am 22. Oktober 2011 (rezensierte Aufführung: 16.12.2011)

Star ist das Ensemble - Von Thomas Molke, Online Musik Magazin

Für die Jubiläumsspielzeit hat sich auch der Hagener Ballettdirektor Ricardo Fernando mit seiner Compagnie sehr viel vorgenommen, bietet er doch in insgesamt drei Ballettabenden im Theater die ganze Bandbreite vom klassischen Handlungsballett (Tschaikowskis Dornröschen ab dem 26. Mai 2012) über einen Tanzabend zu Kompositionen von Johann Sebastian Bach (ab dem 25. Februar 2012) bis zu einem dreiteiligen Abend mit zeitgenössischer Musik, mit der die Ballettspielzeit in dieser Saison eröffnet wurde. Während Fernando für die kommenden Produktionen allein verantwortlich zeichnen wird, ist es ihm für den ersten dreiteiligen Ballettabend gelungen, mit Nils Christe als Choreographen für einen Teil einen der bedeutendsten Schöpfer des zeitgenössischen Tanzes nach Hagen zu holen.
Der übergeordnete Titel Shortcuts spielt dabei auf den gleichnamigen 1993 erschienenen Kinofilm von Robert Altman an, in dem Episoden aus dem Leben mehrerer Personen in einzelnen, lose miteinander verbundenen Handlungssträngen erzählt werden. So werden auch in den ersten beiden Teilen des Abends kurze Geschichten erzählt, deren lose Verknüpfung in der verwendeten Musik des zeitgenössischen Komponisten Henryk Mikolaj Górecki besteht. Der dritte Teil setzt sich aus sechs kurzen Stücken zusammen, die keine Geschichte erzählen, sondern in denen sich die Tänzer instinktiv von neuer brasilianischer Musik leiten lassen.

Der Abend beginnt mit der Uraufführung Präludium zu einem Requiem, in dem Fernando zu Góreckis Streichquartett Nr. 2 op. 64 Quasi una Fantasia aus dem Jahr 1991 verschiedene Beziehungen zwischen Menschen zeigt. Erwähnenswert ist in diesem Teil die Lichtregie von Ernst Schießl, der es direkt zu Beginn schafft, das Quartett, das sich auf einen Tisch konzentriert, das Trio, das an einer Wand mit Regalbrettern in unterschiedlicher Höhe als Stufen arbeitet, und das Duo, welches eine bewegliche Tür bespielt, trennscharf ins Sichtfeld zu rücken und im Folgenden mit milchigem Licht die Bühne in eine wabernde Ungewissheit zu tauchen, die mit der irritierenden Musik Góreckis perfekt korrespondiert. Im ersten Satz, dem Largo, konzentrieren sich die einzelnen Gruppen auf sich selbst. Zu recht atonalen Klängen der Streicher teilt sich das Quartett (Giulia Fabris, Yoko Furihata, Marcelo Moraes und Huy Tien Tran) am Tisch zu zwei Paaren, die so recht keinen Zugang zueinander finden können. Ähnlich drückt das Duo (Noemi Martone, Leszek Januszewski) mangelnde Kommunikation aus, indem sie sich häufig auf unterschiedlichen Seiten einer geschlossenen Tür befinden. Anders verhält es sich bei dem Trio (Hayley Macri, Andre Baeta, Matthew Williams). Hayley Macri scheint, sich auf die beiden Männer stark verlassen zu können, da sie wiederholt die Stufen in der Wand emporsteigt und sich rückwärts aus der Höhe in die Arme der Männer herabfallen lässt.

Während der erste Satz relativ träge klingt, und die einzelnen Gruppen in festgefahrenen Verhaltensmustern zeigt, wirkt der zweite Satz, Deciso, wesentlich aggressiver. Zu Staccato-Klängen, die stark an Strawinsky erinnern, bilden die Tänzerinnen und Tänzer eine Frauen- und eine Männergruppe, die in einem unterschwelligen Kampf gegeneinander antreten, um eine Vormachtstellung, die aus dem Tisch besteht, zu behaupten. In rhythmisch sehr abgehackten Bewegungen tanzt das Ensemble um den Tisch, wobei einmal die Männergruppe, einmal die Frauengruppe den Tisch besteigt, und drohend auf die jeweils andere Gruppe herabblickt. Dieser Geschlechterkampf wird in den folgenden Sätzen noch fortgesetzt, bevor die einzelnen Gruppen am Ende des Allegro zur Anfangssituation zurückkehren und sich an der Ausgangssituation scheinbar nichts geändert hat. So wie am Anfang wirkt die Musik sehr traurig, wie zu Beginn sind die Tänzer im gleichen Beziehungsgeflecht verfangen. Großer Applaus für den intensiven Ausdruck des Ensembles, das mit den getanzten Bildern die recht unbequeme Musik vergessen lässt.

Den zweiten Teil des Abends choreographierte Nils Christe bereits 2006 für einen Ballettabend im Staatstheater Mainz. Auch damals stellte Christes Kleines Requiem auf Góreckis Kleines Requiem für eine Polka (für Klavier und 13 Instrumente), Op. 66 von 1993 den Mittelteil in einem dreiteiligen Ballettabend vom damaligen Ballettchef Martin Schläpfer dar. Während die Choreographie damals aber einen starken Kontrast zu den umrahmenden Kompositionen von Strauß und Beethoven bildete, passt sie sich im Hagener Ballettabend inhaltlich und musikalisch dem ersten Teil an. Auch hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen. Die Polka ist hierbei nicht nur ein Tanz, der in dem Stück vorkommt, sondern spielt im Polnischen auch auf eine "polnische Frau" an. Christe choreographiert für sieben Tänzer, drei Männer und vier Frauen, so dass bei der Paarbildung immer eine Frau in einem Gefühl von Einsamkeit übrig bleibt, was sich auch in Góreckis Musik widerspiegelt.

Im ersten Satz sitzt eine Tänzerin allein auf einer langen weißen Bank. Während der klagenden Phrase eines Klaviers erscheinen nach und nach die übrigen sechs Tänzer und drehen die lange Bank wie den Zeiger einer Uhr, allerdings gegen den Uhrzeigersinn. Im weiteren Verlauf werden unterschiedliche Beziehungen zwischen den einzelnen Tänzerinnen und Tänzern zur Musik dargestellt. Diese sind mal von Hoffnungslosigkeit, mal von Aggressivität, mal von inniger Zuneigung und Aussöhnung geprägt. Im dritten Satz, in der Polka, tanzen die Tänzer in einer fieberhaften Trance nahezu bis zur Besinnungslosigkeit, bis nach einer kurzen Stille die Bank weiter gedreht wird und nach und nach ein Tänzer nach dem anderen die Bühne verlässt. So sitzt nach einem innigen Pas de Deux die Tänzerin erneut allein auf der Bank. Wie im ersten Teil des Abends erlebt der Zuschauer also auch hier einen Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt, egal wie heftig man in der Zwischenzeit dagegen aufbegehrt. Neben dem erneut intensiven Ausdruck des Ensembles ist in diesem Teil Góreckis Musik ein bisschen ansprechender als im ersten Teil des Abends.

Der dritte Teil, für den erneut Fernando verantwortlich zeichnet, hebt sich deutlich von den melancholischen Tönen der beiden ersten Teile ab. Fernando greift dabei auf die Musik eines brasilianischen Quartetts zurück, das unter dem Namen Uakti seit Mitte der 70er Jahre die herkömmliche westliche Instrumentation mit selbst konstruierten Instrumenten aus Röhren, Felssteinen, Metall, Glas, Gummi und Wasser durchbricht. Dabei arbeitet die Gruppe nicht nur mit Künstlern wie Philip Glass und anderen Vertretern der Minimal Music zusammen, sondern arrangiert auch Kompositionen des klassischen Repertoires neu zu einem völlig ungewöhnlichen Hörerlebnis. Im Rahmen des dritten Teils legt hier die Bearbeitung von Ravels Bolero ein beeindruckendes Zeugnis dieses Neuarrangements ab. Hier erklingt dieses berühmte Werk nahezu nur mit Perkussionen.

Eine Geschichte erzählt dieser letzte Teil nicht, sondern lässt die Tänzer die beeindruckende Musik, die größtenteils nur aus Schlaginstrumenten und Stimmen besteht, in Bewegungen umsetzen. Thomas Rupert hat hierfür fünf große durchsichtige Kegelstümpfe errichtet, die zunächst wie das Triebwerk einer Rakete aus dem Schnürboden ragen, bevor sie herabgelassen werden und jeweils eine Tänzerin von dem restlichen Ensemble isolieren. Bemerkenswert sind ebenfalls die Kostüme von Heiko Mönnich, der sowohl die Tänzerinnen als auch die Tänzer in schwarze Röcke kleidet. Das Ensemble bildet in der Musik also eine Einheit, unabhängig davon, ob es männlich oder weiblich ist. Der Tanz in diesem letzten Teil legt erneut Zeugnis von einer gewissen Lebensfreude in der Bewegung ab, die in Fernandos Choreographien häufig zu beobachten ist. Ganz besonders deutlich wird es in der Bearbeitung einer Mozart-Sonate, bei der die Herren des Balletts in rhythmischen, pulsierenden Bewegung den Zuschauer schon beinahe dazu aufzufordern scheinen, sich ebenfalls zu bewegen. Diese Begeisterung für den Tanz wird im Finale zu einer Komposition der finnischen Gruppe Gjallarhorn vom kompletten Ensemble noch gesteigert. Großartig ist auch Péter Matkaicsek, der zu der Bearbeitung von Bachs Suite Nr. 2 perfekten klassischen Tanz mit Komik und modernen Elementen mischt.
So gelingt Fernando mit dem dritten Teil noch eine Steigerung zu den beiden ersten Teilen des Abends, und das Publikum wird nach den etwas nachdenklicheren Teilen mit einem Gefühl von Leichtigkeit entlassen. Großer Applaus für ein Ensemble, das wieder einmal alles gegeben und bewiesen hat, welch hohes Niveau in der Ballettsparte in Hagen gefahren wird, und für den Ballettdirektor, der sich auch in einer Folgevorstellung dem Publikum stellt und dafür mit großem Beifall bedacht wird.

FAZIT
Erneut liefert das Ballett Hagen einen Beweis dafür, dass diese Sparte in dieser Stadt unbedingt erhalten bleiben muss.
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Produktionsteam
Bühne: Thomas Rupert
Licht: Ernst Schießl
Dramaturgie: Maria Hilchenbach

Präludium zu einem Requiem
Choreographie: Ricardo Fernando
Kostüme: Heiko Mönnich
Tänzerinnen und Tänzer
Duett: Noemi Martone, Leszek Januszewski
Trio: Hayley Macri, Andre Baeta, Matthew Williams
Quartett: Giulia Fabris, Yoko Furihata, Marcelo Moraes, Huy Tien Tran
 
Kleines Requiem
Choreographie: Nils Christe
Kostüme und Wiedereinstudierung: Annegien Sneep
Tänzerinnen und Tänzer
(*rezensierte Aufführung)
*Yoko Furihata / Carolinne de Oliveira
*Carolinne de Oliveira/ Noemi Martone
*Lara Lioi / Hayley Macri
*Noemi Martone / Giulia Fabris
*Leszek Januszewski / Huy Tien Tran
Vladimir de Freitas / *Andre Baeta
Marcelo Moraes / *Matthew Williams

Drumming and Voices
Choreographie: Ricardo Fernando
Kostüme: Heiko Mönnich
Tänzerinnen und Tänzer
(*rezensierte Aufführung)
Daria Catela, Giulia Fabris, Yoko Furihata, Lara Lioi, Hayley Macri, Noemi Martone, Carolinne de Oliveira
Andre Baeta, Vladimir de Freitas, Leszek Januszewski, Marcelo Moraes, Péter Matkaicsek, Huy Tien Tran, Matthew Williams
(J. S. Bach / Uakti): *Péter Matkaicsek / Andre Baeta
("Waiting for the Barbarians"):
*Lara Lioi / Carolinne de Oliveira / Hayley Macri
*Marcelo Moraes / Huy Tien Tran / Péter Matkaicsek